Samstag, März 18, 2006

Samstage in der City

Ich bin mir ganz sicher, daß ich ihn vorgestern gerochen habe - den Frühling. Nicht, daß ich zu denjenigen gehören würde, die es gar nicht mehr abwarten können, bis man über Krokusse stolpert. Frühling ist schön und Winter ist auch schön. Alles zu seiner Zeit. Aber wenn der Frühling nun mal kommt, sollte man gewappnet sein. Frühling schreit nach den unterschiedlichsten Dingen, von denen man einige leider nicht kaufen kann (Wieso heißt es bloß Frühlingsgefühle? Wieso soll sich an meinem Liebesleben irgendwas ändern, nur weil die Tulpen blühen und die Vögel piepen?) und andere schon. Supagutes Frühlingslied gibt's auf iTunes "Put your records on" von Corinne Bailey Rae. Schönes Ding! Vor allem braucht man aber neue Klamotten. Und eine gute Idee, um sich die zu besorgen. Gute Idee ist es, Mama zu fragen, ob nicht mal wieder eine Shopping-Tour in die Innenstadt anstehen würde. Gutes Timing, wenn Mama merkt, daß sie auch einen neuen Hosenanzug braucht. Denn nichts gibt's umsonst auf dieser Welt und für ein paar Gratis-Klamotten muß man schon Personal-Shopping-Assistent spielen.

Mama braucht einen Hosenanzug anläßlich ihrer Goldenen Konfirmation, was ein extrem überflüssiges Fest ist, da lediglich gefeiert wird, daß man ca. 65 und noch nicht tot ist. Eigentlich feiert man das auch nur in ländlichen Kreisen Hamburgs, denn dort feiert man sowieso fast jeden Scheiß. Meine erste Anregung, anläßlich des Jubeltages ein güldenes Gewand zu tragen, wurde jedoch als unqualifiziert abgetan. Schließlich beinhalten die Festivitäten einen Auftritt in der Kirche und da darf nur der Kronleuchter Gold tragen. Also ging es zu P&C, wo verschiedenste Outfits getestet wurden. Übrigens sollte man es vermeiden, eine blaue Bluse zu tragen und nur beratend, nicht selbst probierend, tätig zu sein. Ganze fünf (!) Mal wurde ich von der Seite angequatscht, ob ich mal kurz weiterhelfen könnte. Verkäuferinnen werden zum Teil wirklich sehr unfreundlich angelabert, habe ich bemerkt. Eine kleine Eröffnungssequenz des Gesprächs wie ein "Hallo!" oder ein kurzer freundlicher Blick wäre da von Kundenseite durchaus angebracht. Die meisten Kunden gingen dann auch muffelig von dannen, offensichtlich hielten sie das nur für Arbeitsunmut meinerseits. Endlich war dann eine passende Kombination für Mama gefunden und die spannenden Teile konnten beginnen.

Zuerst mal ein Futter-Tipp für die Innenstadt: "LeBuffet" im Alsterhaus. Das Alsterhaus ist fragwürdig, denn ich kann zwar verstehen, daß man Klamotten vielleicht lieber von Jil Sander als von Hugo Boss kauft, aber gilt das auch für Handtücher? Bei denen war es mir bisher egal, welcher Manufaktur sie entsprungen sind. Markengeilheit scheint sich bis in die niedersten Ebenen der Konsumgüter hinabzuziehen. Aber zurück zum Futtern. Bei "LeBuffet" kann man sich beinahe alles selbst zusammensuchen und das wird dann live zubereitet. An der Asia-Ecke kann man sich z.B. rohes Gemüse und auch Fleisch in ein Schüsselchen tun und das wird dann in den Wok geworfen, lecker gewürzt und gebrutztelt. Der Durchschnitts-Deutsche ist vom Konzept überfordert, aber ich fands toll. Schwierig ist nur zu entscheiden, wo die Deko anfängt, denn überall liegen Lebensmittel rum. Vielleicht darf man auch wirklich alles essen, was man in die Finger kriegt. Jedenfalls empfehlenswert. Theoretisch gibt es auch Alsterblick, doch an Samstagmittagen ist das schwierig.

Dann durfte die Styling-Beraterin shoppen, das Ergebnis wurde natürlich fotografisch festgehalten: Das Top gab's bei Mango, dem neuesten Laden in der Mönckebergstraße. Etwas komisch, daß ca. 75% der schwarzen Oberteile komplett transparent sind und eher so aussehen, als sollte man sie im Bett tragen. Natürlich praktisch, wenn man sich morgens das Anziehen sparen kann. Und abends das Ausziehen. Außerdem sind die Umkleiden dort als eine Art Spiegelkabinett angelegt, was bei mir fast zu einer gebrochenen Nase führte. Wer die wohl alle jeden Tag putzen muß... Die spießige Bluse kam von Benetton, wo man nicht mit 200 Euro-Scheinen bezahlen kann. Auch meine Mama nicht. Dabei sah der total echt aus. Und das Teil rechts von Esprit. Der "Blusenteil" ist nur oben und abknöpfbar. Glauben die, daß man keine eigene Bluse hat? Ich hab sogar ziemlich viele. Bitte mehr nachdenken, Esprit! Aber man muß natürlich am Bauch und an den Armen nicht mehr so viel schwitzen im Sommer. Aaah! Bitte mehr nachdenken, Miss Sophie!

Danach war ich wie immer total kaputt, hatte Kopfschmerzen und fühlte mich total dehydriert. Bloß niemals reich werden oder Modell und das jeden Tag machen müssen.

3 Comments:

At März 18, 2006 11:37 nachm., Blogger Sophie said...

Einkaufen ist echt anstrengend! Mein Beileid! Aber sehr cool, dass es nun endlich auch in Hamburg ein Mango gibt. Wusste ich noch gar nicht. Ich kann mir vor, sagen wir mal August, sowieso nichts mehr zum Anziehen kaufen, so pleite bin ich...

Dem Alsterhaus stehe ich immer eher misstrauisch gegenüber, für mich ist das ein etwas besseres Karstadt. Basta. Alle Nicht-Hamburger, die mich besuchen, glauben aber immer, dass das Alsterhaus irgendwas gaanz Tolles ist. Jetzt nach der Renovierung sieht's ja wenigstens halbwegs gut aus. Davor war es ne echte Schabracke.

 
At März 19, 2006 10:38 vorm., Blogger Miss Sophie said...

Der Mango ist in der Mö ziemlich genau zwischen Esprit und H&M, also sehr zielkundenfreundlich lokalisiert. Es gibt dort aber auch echt günstige Teile. Mein Top hat z.B. auch nur 13 Euro gekostet. Das kann einem die Kaufentscheidung manchmal extrem erleichtern. Dann bin ich noch mal kruz durch Zara durchgewetzt und war etwas verwirrt, daß es dort nur noch Sachen in M und L gab. Hä? Ich vermute einfach, daß jeden Samstagvormittag Horden von ausgehungerten Mädels durch Zara latschen und mir alles vor der Nase weggekauft haben. Es wäre dann aber auch sinnvoll, mal die Kleiderstangen neu aufzufüllen.
Wahrscheinlich muß ich nächste Woche sowieso noch mal in die Mö, denn ich habe auch ein ganz süßes Oberteil bei H&M gesehen, hatte aber weder auf die ca 10-15 Meter lange Schlange vor den Umkleiden (in allen Stockwerken) noch auf die ca. 5 Meter langen Schlangen vor jeder Kasse Bock. Erstaunlich, daß Frauen damit ihren Samstagnachmittag verbringen.

Alsterhaus finde ich ja auch fragwürdig. Es scheint von der Hamburger Upperclass (Barbour-Jacke, Todds-Leder-Loafer, Longchamp-Täschchen) aber durchaus akzeptiert zu werden. Da muß man gestehen, daß deren Konzept aufgegangen ist.

 
At März 19, 2006 2:29 nachm., Blogger Sophie said...

Mensch, zur Hamburger Upperclass wollte ich doch auch immer gern gehören! Mist. Muss ich doch öfter ins Alsterhaus. Nix mit Mango.

Na ja, wenn die Oberteile nur 13 Euro kosten, dann kann ich mir ja vielleicht doch eines leisten...

 

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