Samstag, Februar 11, 2006

Filmkritik: Casanova

Inhalt: Giacomo Casanova (Heath Ledger) liegt die Frauenwelt Venedigs zu Füßen. Da er keine Gelegenheit ausläßt, die ihm ein erotisches Abenteuer verspricht, liegt er in ständigem Clinch mit den Sittenwächtern der katholischen Kirche. Nur die schützende Hand des Dogen bewahrt ihn immer wieder vor dem Schlimmsten. Doch nun ist das Maß voll und der Schürzenjäger soll ein tugendhaftes Mädchen heiraten und fortan monogam leben, um weiteren Ärger mit Rom zu vermeiden. In dieser vertrackten Situation kreuzt die äußerst emanzipierte Francesca (Sienna Miller) seinen Weg. Sie verabscheut Casanova, hält ihn aber für einen anderen und so laufen sie sich immer wieder über den Weg. Casanova ist fasziniert von der ebenso schönen wie klugen Francesca, diese ist jedoch schon einem unansehnlichen Geschäftsmann versprochen, der ihre Familie von Geldsorgen befreien soll. Im Werben um Francesca nehmen allerlei Verwechslungen und Verwicklungen ihren Lauf.

Kritik: Dieser Film wurde vor allem wegen seiner "Papa-Kompatibilität" geguckt, denn mein Papa hatte zu Weihnachten einen Kinogutschein geschenkt bekommen. Papa mag, genauso wie ich, lustige Historienfilm à la "Die drei Musketiere" (den von Richard Lester) oder so. Wichtig sind dabei vor allem lustige Fechtszenen, bei denen über jedwedes Mobiliar gehopst wird und die gesamte Inneneinrichtung von Gaststätten zu Kleinholz verarbeitet wird. Na ja, man kann so was nicht immer haben. "Casanova" lebt in erster Linie von seinem Star Heath Ledger. Welches Potenzial entfacht man wohl damit, einen Teenieschwarm in einem Film zu verbrutzeln, der ein paar Erotikszenen verspricht? Aber obwohl ich die Freigabe ab sechs mal wieder etwas gewagt finde, ist "Casanova" eigentlich sehr familientauglich. Trotzdem hätte man von Lasse Hallström mehr erwartet als eine überwiegend launige, z.T. aber auch alberne Familienunterhaltung. Insgesamt wirkt die Ausstattung opulent, aber nie ganz stimmig. Man kommt nicht umhin, sich zu fragen, warum noch mal Heath Ledger eigentlich diese Perücke auf dem Kopf hat. Immerhin minderte die ungewohnte Haarpracht die Zuneigung des weiblichen Publikums überhaupt nicht. Neben mir saß einer Vierer-Girl-Gang, die offensichtlich mit der Situation ziemlich überfordert war. Als der gute Casanova zwischenzeitlich auf dem Schafott stand, mußten sich alle vier zusammenkuscheln und gegenseitig trösten. Ach ja. Für alle nicht so hormongeschüttelten Zuschauer bleibt eine etwas enttäuschende Erfahrung, auch wenn das sehr temporeiche Finale noch mit ein paar Überraschungen aufwartet: Doch wie gesagt, man hätte mehr erwartet, vielleicht lag da das Problem. Vielleicht eher auf die DVD warten.

Und noch mal was zum Thema Barock und Neuzeit. Wenn ich ein Mann wäre, würde ich die Zeit echt toll finden. Irgendwie sieht so ein Dekollete auch ziemlich gut aus, wenn man es in ein Korsett quetscht und es unbedingt da raus will. Und Sienna Miller ist wirklich niedlich in ihren Kostümchen. So, und nun zur Neuzeit. Einfach mal bei go fug yourself gucken und scrollen. Da hat die gute Dame schon eine eigene Kategorie und das vollkommen zu Recht.

6 Comments:

At Februar 12, 2006 6:49 nachm., Blogger Sophie said...

Sehr schön. Jetzt brauche ich über Sienna Miller und Mode nichts mehr zu sagen.

Heath Ledger halte ich ehrlich gesagt sowieso nicht für den Schauspieler vor dem Herrn. Muss man gerade ihm, der den Charme und die Ausstrahlung eines, nun ja, Australiers hat, die Rolle des legendären Casanova zu geben? Gewagt. Wahrscheinlich hat sich Herr Hallström gesagt: "Hach, ich will einfach auch mal so richtiges Popcorn-Kino machen. Holt mir ein halbwegs passables Drehbuch, Hauptsache Action, und dann gebt mir zwei mittelmäßige Schauspieler für die Hauptrollen. Wollen wir doch mal sehen, wieviel Kohle das einbringt."

An dieser Stelle höre ich auf zu lästern, vor allem weil ICH den Film gar nicht gesehen habe...

 
At Februar 12, 2006 7:06 nachm., Blogger Miss Sophie said...

Nein, auch wenn Du den Film nicht gesehen hast, war das eine sehr treffende Analyse.

Ich weiß nicht, ob ich langsam alt werde, aber man merkt eben schon, daß Mr. Ledger irgendwie eine jüngere Generation als die meinige anspricht. Er versprüht in der Tat eher australischen Charme, und um bei Olympia zu bleiben, ein bißchen Snowboard-Charme ist auch dabei. Ich habe gar nicht erwähnt, daß in den Film auch Jeremy Irons mitgespielt hat, der nun aber wirklich als totale Inquisitions-Knallcharge agierte und noch dazu mit violetten Handschuhen zu einer leicht orange schimmernden Perücke ein gräßlicher Anblick war. Wäre der nun, sagen wir, 15 Jahre jünger, hätte ich da gerne ein paar Umbesetzungen vorgenommen. Und überhaupt hätte ich Monsignore Casanova auch lieber als schmalgesichtigen Philosophen denn als - äh - breitnasiges Milchgesicht gesehen. Aber ich bin wohl schon nicht mehr die werberelevante Zielgruppe.

 
At Februar 12, 2006 7:49 nachm., Blogger Sophie said...

Nein nein, so darf man gar nicht erst anfangen! Nur weil alle anderen an Geschmacksverirrung leiden, heißt das nicht, dass wir zu alt sind! An Heath Ledger kann ich aber auch echt so gar nichts finden. Aber wenn ich da an Jeremy Irons in Stirb Langsam 3 denke, könnte ich schon eher weiche Knie kriegen, wie man so schön sagt. Eben alles eine Frage des guten Geschmacks!

 
At Februar 22, 2006 9:49 vorm., Anonymous F_A said...

Ich brauche kein Barock um Mieder zu tragen ;)

 
At März 28, 2006 8:54 nachm., Anonymous Anonym said...

Barock : Sienna Miller goes "go fug yourself". - Sie wirkt dabei ziemlich eigenständig und als Mr. Winterbottom mache ich mir auch keine Gedanken darüber, was daran naiv und was an diesen Auftritten inszeniert ist, weil ich sowas in auch in der Realität nie herausbekommen werde... Als James wäre ich deshalb ihr idealer Einkaufsbegleiter - nicht nur beim beim Klamotten- sondern auch beim Schuhkauf, denke ich. Was dann aber anziehen ? Als Admiral von Schneider brauchte ich wohl nur in Sinenna Millers Kleiderschrank zu greifen, barfuß gehen und alles wäre gut.

 
At März 28, 2006 9:23 nachm., Blogger Miss Sophie said...

Ziemlich verwirrter Post, oder? Klingt total nach automatischer Übersetzung aus dem Englischen. Für sowas bitte getrost einen eigenen Blog aufmachen. Dann trifft man vielleicht auch Gleichgesinnte.

 

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