Donnerstag, März 23, 2006

Als ich mal richtig tough war...

Mein Handy und ich. Keine besonders große Liebesbeziehung. Die paar Minuten, die ich im Monat telefoniere und die drei SMS lohnen nie im Leben einen Vertrag. Durch meine innige Haßliebe zur Telekom und nicht zuletzt, weil meine Schwägerin dort früher gearbeitet und mir das Handy "organisiert" hat, hatte ich bislang so eine tolle Xtra-Card. Irgendwann fiel mir auf, daß 80 Cent pro Minute in derHauptzeit (fast immer) zu fast jeder Nummer theoretisch zu unterbieten sein müßten. Mein Entschluß, dem rosa Riesen den Rücken zu kehren, stand am Sonntag fest und das Schicksal schien es gut mir mir zu meinen: Just am Montag gab es bei meinem Lieblings-Assi-Supermarkt Plus die günstige Gelegenheit für nur 9.99Euro eine Karte von Debitel-light inklusive 19,99Euro Startguthaben zu erwerben. Also schon mal 10 Euronen geschenkt. Toll! Am Montag also extra früh aufgestanden, dem Penner an der Kasse beim Zurückgeben seiner zwei leeren Plastikbierflaschen zugesehen und nach der Karte gefragt. "KAAAAARTEEEEEENNNN" brüllte es da schon durch den Laden. Weniger eine Antwort an mich als eine Aufforderung an den Geschäftsführer, die Karten rüberwachsen zu lassen. Na, Karte gab es noch nicht, nur eine Nummer und einen PIN für die Webseite von debitel. Dort angekommen war ich aufs äußerste entzückt, denn ich durfte ein paar Präferenzen für meine Handynummer angeben. Und siehe da, meine neue Nummer endet nun mit meinem Geburtsdatum. Toll. So leicht kann man mich glücklich machen. Die SIM-Karte würde ich spätestens 48 Stunden per Post ihren Weg zu mir finden. Dann war sie natürlich noch nicht da.
Erst heute erschien sie tatsächlich in der Post. Also die Karte ins Handy gepfriemelt und die PIN eingedippelt. Hö? Ach so, das war die falsche PIN, nämlich die für die Webseite. Ok, da war ja so ein Wisch dabei... Man mußte solche kleinen Aufkleberchen von diesem Wisch entfernen, um alle Geheimzahlen sehen zu können. Also abgefummelt und - hö? und nochmal - hö? Na toll, SIM-Karte gesperrt, also achtstellige PUK eingeben - hö? hö? hö? Da erst fiel mir eine weitere Ungereimtheit auf: Eines der Fensterchen mit den geheimen Nümmerchen war von Anfang an offen gewesen. Mysteriös. CIA, FBI und BND also auf der Jagd nach meiner PUK2?

Die Hotline kostet 0,99 Euro pro Minute. Und da war er erreicht, der Punkt, an dem mir, einem der friedlichsten Menschen der Welt, einer Anhängerin der stoischen Philosophie und stets den Fehler erst bei sich selbst suchend - vollkommen der Kragen platzte!!! Und ich war so tough. Ich hatte vor mir selbst fast Angst, als ich nach ca. 5 Minuten in der Warteschleife und dem eher halbherzig abgerungenen Versprechen eine neue SIM-Karte zu kriegen die Erstattung der Gesprächskosten forderte. Nicht danach fragte, sondern es wollte! Könne sie weiterleiten, aber nicht versprechen. Ah, "weiterleiten", ein Hebelpunkt für das Brecheisen in mir!!! "Dann möchte ich ihre Vorgesetzte sprechen!" Pures Adrenalin, dieser Satz! Na gut, die konnte mich höchstens zurückrufen. Nach ca. 10 Minuten wieder die gleiche nölige Stimme, aber immerhin: ich kriege die 5 Euro gutgeschrieben. Und das Tier in mir ist erwacht....

3 Comments:

At März 23, 2006 10:24 nachm., Blogger Sophie said...

Hach, so was tut so gut! Und ist bei mir ähnlich: Um so was zu tun, muss ich schon einen gewissen Punkt erreicht haben, wo es gar nicht mehr geht. Aber man fühlt sich besser.

Das Schlimme ist, dass man davon süchtig werden kann. Hab ich festgestellt. Seitdem das einmal funktioniert hat mit dem Bösewerden, will ich es immer und immer wieder... Und manchmal klappt es dann nicht, weil die Leute im Callcenter zu abgestumpft sind, und dann ist es ein ganz schreckliches Gefühl... Wie ein tiefer, tiefer Fall... ;-)

Aber für sich selbst ist das wirklich mindestens so gut wie ein Wellness-Wochenende!

 
At März 24, 2006 10:16 vorm., Blogger Miss Sophie said...

Ich glaube auch fast, daß ich mir für den Anfang ein besonders leichtes Opfer ausgesucht habe. Und weil sie so unfreundlich war, ist es mir auch besonders leicht gefallen, selber unfreundlich zu werden. Bei der Telekom sind die Leute meistens freundlich im Callcenter.

Aber vielleicht werde ich nun auch mal in Geschäften unfreundlicher. Oder bei den Schnarchnasen von der Uni-Verwaltung oder den Bibliotheken. Die habe ich eigentlich auch schon seit langem gefressen.

 
At April 22, 2006 12:50 nachm., Blogger Ratilius said...

Die hinterhältigen Mobilfunkanbieter bilden ein Konfusopol, d.h. man kann nicht mit vetretbarem Aufwand entscheiden, welcher Vertrag denn nun der günstigste ist.

Nachdem jetzt ein paar Billigheimer auf den Markt gekommen sind, versuchen die sich also mit ihren teuren Hotlines über Wasser zu halten :-)
Hatte mich immer schon gewundert womit sie Gewinn machen wollen.

Bei Verhandlungen mit "kleinen Angestellten" kann man interessante Persönlichkeitsveränderungen zum freundlicheren hin beobachten, wenn man sich ihren Namen aufschreibt oder die Blutgrätsche "ich würde gerne ihnen Vorgesetzten sprechen" auspackt...

 

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